Gedichte 1913

Gedichte von 1913

aus dem Tagebuch von Frida Lange

Inhalt

Ich war so arm und einsam –

Noch ist es Nacht

Meinem Geliebten

Sehnsucht

Nur diesen einen Wunsch versag mir nicht

Ich war so arm und einsam –

du hast mich über Nacht

mit deiner großen Liebe

zur Königin gemacht.


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Noch ist es Nacht,

noch schickt der Mond

durch’s hohe Fenster auf die Diele

sein wunderbares Zauberlicht.

Ach halb schon wach, noch halb im Traum

seh ich in seinem Silberschein

den kleinen Liebesgott

mit Schelmenlächeln sich ergehn.

Zwar sieht er, daß ich müde bin,

doch stört er mich die ganze Nacht

und weiß durch Lachen und durch Flüstern

mich immer wach zu halten.

Bald lacht er, weil mein armes Herz

sich plötzlich tief betrübt,

bald, weil es wieder fröhlich jauchzt

vor lauter heißem Glück.

Und schelmisch flüstert er dabei

immer, immer deinen Namen.

Da plötzlich tritt er vor mich hin,

greift ungestüm nach meiner Hand

und zerrt mich auf den Stuhl am Tisch

nimmt eine Feder fort vom Tisch

und drückt sie schnell mir in die Hand.

Dann stellt er keck sich hinter mich,

legt seinen Arm um meinen Hals

und führt mir sicher meine Hand,

die willenlos die Worte schreibt:

Ich liebe dich – ich liebe dich -.

Meinem Geliebten

(auf ein Bild)

Auf deiner hohen Stirn steht es geschrieben,
selbst dein verschloßner Mund verschweigt es nicht:
„Ich bring mit meinem grenzenlosen Lieben
den müden Menschenherzen Kraft und Licht.“


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Sehnsucht

Wie schnell die Zeit meiner Jugend enflieht,
wie die Wolke, die eilend am Himmel zieht,
wie ein Lied, das zitternd verklingt.
Ich lebe in Sehnsucht, ich lebe in Leid.
Wann kommst du, Retter, der mich befreit,
der mein stolzes Herze bezwingt?

Ich ruf deinen Namen vieltausend Mal
Und weine des Nachts in stummer Qual
Nach dir meine Augen rot.
Ich lebe in Sehnsucht, ich lebe in Leid.
Wann trag ich mein schwarzweißes Hochzeitskleid?
Wann endest du meine Not?

Sag, wollten wir nicht Sonnenkinder sein
und wollten einst mit glückerfüllten Händen
all unsres Herzens goldnen Sonnenschein,
all unsre Liebe an die Welt entsenden?

Und wollten Menschen, wahre Menschen sein,
die stark und fröhlich sind in allen Dingen,
und die des Lebens allergrößte Pein
mit stillem, sonnenfrohem Lachen zwingen.

O du mein Lieb, wie ist der Weg so weit,
das Ziel so hoch, um das wir qualvoll ringen!
Wir können nur in größter Einigkeit,
in treuster Liebe alles Leid bezwingen.


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Nur diesen einen Wunsch versag mir nicht,
o Schicksal, alles andre magst du mir versagen.
Ich bin bereit, jedwedes Leid zu tragen,
nur laß mir dieser einzgen Hoffnung Licht:

Gib mir ein Kind aus meinem Fleisch und Blut,
dass unter selgen Schmerzen ich geboren,
in dessen Seele ewig unverloren,
all meine Hoffnung, all mein Träumen ruht.

Gib mir ein Kind, das heiß und ehrlich ringt
wie ich nach allem Wahren, Edlen, Schönen
und das dereinst in nie vernommenen Tönen
den Menschen seine allgewaltgen Lieder singt.


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